"Der
Gott des
Alten Testaments ist
die unangenehmste Gestalt der gesamten Dichtung: eifersüchtig
und
auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender
Kontroll-Freak; ein rachsüchtiger, blutrünstiger
ethnischer
Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer,
kinds-
und völkermörderischer, ekliger,
größenwahnsinniger, sadomasochistischer,
launisch-boshafter
Tyrann."
Das
ist der Satz, den ich als deutscher Theologe aus naheliegenden
historischen Gründen nicht schreiben durfte.
Selbstverständlich hat Dawkins recht.
Wer
Gott erfunden hatte, um seinen Namen dann nach Kräften
mißbrauchen zu können, lernen Theologiestudenten im
ersten
Semester. Historische Forschung an dieser Stelle ist Zeitverschwendung.
Über
den Historischen Jesus wissen wir nicht allzuviel, über seine
Jugend gar nichts. Er könnte in der Provinz
großgeworden und
nicht aus der Heimat herausgekommen sein. Er könnte als
Handwerker
am Wiederaufbau der Stadt Sephoris mitgearbeitet haben. Wenn ja,
könnte er dort mit der griechisch - römischen Kultur
in
Verbindung gekommen sein. Vielleicht haben Handelskarawanen
östliches Gedankengut in seine Nähe gebracht. Ganz
verwegene
Theorien sahen ihn gar nach Indien gereist. Nichts ist sicher.
Sicher
hingegen ist, daß die Evangelien eine Mischung aus
Volksfrömmigkeit und theologischer Reflexion widerspiegeln,
mit
dem Ziel, die kursierenden Legenden zu einer einheitlichen Lehre zu
bündeln.
Ab ungefähr seinem 30sten
Lebensjahr war
Jesus als Wanderprediger, Heiler und Weisheitslehrer unterwegs.
Daß er sich selbst als Gott bezeichnete, muß
verneint
werden. Daß er Leiden und Opfertod als den
Omegapunkt seines
Weges sah, ist (wiewohl Zentralthese der kirchlichen Lehre) wenig
wahrscheinlich.
Seine Lehre von Liebe und
Mitgefühl ist
universell. Sie darf in jedem denkbaren Kulturkreis Gültigkeit
beanspruchen und ist nicht an eine monotheistische Religion gebunden.
Es ist nicht überliefert, daß Jesus aus seiner
Tradition
ausgebrochen wäre. Dennoch ist zu bedenken:
Auf die Frage nach dem "Vater" flüchtet er in wolkige
Formulierungen. Natürlich konnte er dem klerikalen
Establishment
seiner Zeit keinen Klartext an den Kopf werfen. Ihm als Erleuchteten
dürfte mindestens die Verlogenheit der Priesterkaste
aufgefallen
sein. Der folgerichtige Gedanke liegt auf der Hand.
Unumstritten
ist, daß Jesu Biographie und Lehre erst
nachträglich so zurechtgeschrieben wurden, daß sie
in den
alttestamentlichen Kontext paßten. Und um das frühe
Christentum zu einer Religion machen zu können, eignete sich
ein
Gottessohn besser als ein Weisheitslehrer.
Streicht man diese
redaktionellen Schlenker aus dem Neuen Testament heraus, tut man Jahwe
dahin, wo er hingehört, nämlich in das staubigste
Archiv der
Religionsgeschichte, dann zeigt sich Jesus als Variante des
Buddha.
Und
plötzlich ergibt alles Sinn.
Der
fortschrittliche Zweig der Theologie war in den 20er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts so weit, diesen Paradigmenwechsel zu
vollziehen. Der Rest ist Geschichte: Beifall von der falschen Seite,
die monströsen Verbrechen der Nazis an den Verehrern des
alttestamentlichen Gottes...
seitdem hätten sich Theologen lieber die Zunge abgebissen, als
dieses Thema noch einmal anzusprechen.
Eine Note,
die alles noch
bitterer macht: Der Jahwe - Kult ist die Blaupause des Faschismus. Sei
Anhänger eines absoluten Egomanengottes oder dessen Feind.
Dazwischen gibt es nichts. Vielleicht noch die verworfenen
Anhänger, verworfen, weil deren Hingabe nicht glühend
genug
war.
Es ist nicht so, daß der Faschismus auf seine
Urheber
zurückgefallen wäre. Die altisraelitische Religion
und das
Judentum sind nicht dasselbe, was kaum bekannt ist und die Sache noch
komplizierter macht.
Ein Spagat zwischen Sumpf und
Glatteis.
Nein, Jesus ist nicht die
Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeihungen, er ist die
Antithese.
Aus
dem Munde eines einflußreichen Kirchenfürsten
weiß
ich, daß das der Grund ist, warum man in Deutschland nicht
aus rein
wissenschaftlichem Interesse Theologie studieren darf. (Auch die
akademische
Laufbahn gibt es nur mit Kirchenstempel.)
Es könnte jemand oben
Genanntes öffentlich aussprechen.
Dabei
könnte alles so einfach sein! Vielleicht hat das der Dalai
Lama
gemeint, als er sinngemäß sagte: Versteht Euern
Glauben,
dann braucht Ihr nicht großartig offiziell zu konvertieren.
Vergiß
die Seelenheil - Industrie! Benutze Dein Gehirn! Öffne Dein
Herz!
Verschenke Energie! Fühle Dich ein - es gibt Mitleid und
Mitfreude! Liebe! Jetzt. Hier.