"Der Gott des Alten Testaments ist die unangenehmste Gestalt der gesamten Dichtung: eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Kontroll-Freak; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, kinds- und völkermörderischer, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann."

Richard Dawkins 


Das ist der Satz, den ich als deutscher Theologe aus naheliegenden historischen Gründen nicht schreiben durfte. Selbstverständlich hat Dawkins recht.

Wer Gott erfunden hatte, um seinen Namen dann nach Kräften mißbrauchen zu können, lernen Theologiestudenten im ersten Semester. Historische Forschung an dieser Stelle ist Zeitverschwendung.

Über den Historischen Jesus wissen wir nicht allzuviel, über seine Jugend gar nichts. Er könnte in der Provinz großgeworden und nicht aus der Heimat herausgekommen sein. Er könnte als Handwerker am Wiederaufbau der Stadt Sephoris mitgearbeitet haben. Wenn ja, könnte er dort mit der griechisch - römischen Kultur in Verbindung gekommen sein. Vielleicht haben Handelskarawanen östliches Gedankengut in seine Nähe gebracht. Ganz verwegene Theorien sahen ihn gar nach Indien gereist. Nichts ist sicher. 

Sicher hingegen ist, daß die Evangelien eine Mischung aus Volksfrömmigkeit und theologischer Reflexion widerspiegeln, mit dem Ziel, die kursierenden Legenden zu einer einheitlichen Lehre zu bündeln.

Ab ungefähr seinem 30sten Lebensjahr war Jesus als Wanderprediger, Heiler und Weisheitslehrer unterwegs. Daß er sich selbst als Gott bezeichnete, muß verneint werden. Daß er Leiden und Opfertod als den Omegapunkt seines Weges sah, ist (wiewohl Zentralthese der kirchlichen Lehre) wenig wahrscheinlich.

Seine Lehre von Liebe und Mitgefühl ist universell. Sie darf in jedem denkbaren Kulturkreis Gültigkeit beanspruchen und ist nicht an eine monotheistische Religion gebunden. Es ist nicht überliefert, daß Jesus aus seiner Tradition ausgebrochen wäre. Dennoch ist zu bedenken: Auf die Frage nach dem "Vater" flüchtet er in wolkige Formulierungen. Natürlich konnte er dem klerikalen Establishment seiner Zeit keinen Klartext an den Kopf werfen. Ihm als Erleuchteten dürfte mindestens die Verlogenheit der Priesterkaste aufgefallen sein. Der folgerichtige Gedanke liegt auf der Hand.

Unumstritten ist, daß Jesu Biographie und Lehre erst nachträglich so zurechtgeschrieben wurden, daß sie in den alttestamentlichen Kontext paßten. Und um das frühe Christentum zu einer Religion machen zu können, eignete sich ein Gottessohn besser als ein Weisheitslehrer.
Streicht man diese redaktionellen Schlenker aus dem Neuen Testament heraus, tut man Jahwe dahin, wo er hingehört, nämlich in das staubigste Archiv der Religionsgeschichte, dann zeigt sich Jesus als Variante des Buddha.

Und plötzlich ergibt alles Sinn.

Der fortschrittliche Zweig der Theologie war in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts so weit, diesen Paradigmenwechsel zu vollziehen. Der Rest ist Geschichte: Beifall von der falschen Seite, die monströsen Verbrechen der Nazis an den Verehrern des alttestamentlichen Gottes... seitdem hätten sich Theologen lieber die Zunge abgebissen, als dieses Thema noch einmal anzusprechen.

Eine Note, die alles noch bitterer macht: Der Jahwe - Kult ist die Blaupause des Faschismus. Sei Anhänger eines absoluten Egomanengottes oder dessen Feind. Dazwischen gibt es nichts. Vielleicht noch die verworfenen Anhänger, verworfen, weil deren Hingabe nicht glühend genug war.
Es ist nicht so, daß der Faschismus auf seine Urheber zurückgefallen wäre. Die altisraelitische Religion und das Judentum sind nicht dasselbe, was kaum bekannt ist und die Sache noch komplizierter macht.

Ein Spagat zwischen Sumpf und Glatteis.

Nein, Jesus ist nicht die Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeihungen, er ist die Antithese.

Aus dem Munde eines einflußreichen Kirchenfürsten weiß ich, daß das der Grund ist, warum man in Deutschland nicht aus rein wissenschaftlichem Interesse Theologie studieren darf. (Auch die akademische Laufbahn gibt es nur mit Kirchenstempel.)

Es könnte jemand oben Genanntes öffentlich aussprechen.

Dabei könnte alles so einfach sein! Vielleicht hat das der Dalai Lama gemeint, als er sinngemäß sagte: Versteht Euern Glauben, dann braucht Ihr nicht großartig offiziell zu konvertieren.

Vergiß die Seelenheil - Industrie! Benutze Dein Gehirn! Öffne Dein Herz! Verschenke Energie! Fühle Dich ein - es gibt Mitleid und Mitfreude! Liebe! Jetzt. Hier.